Sabine Kacunko (D)
P.O.L.ART
(ProductOfLifeART)
1*Titel: Product Life
Jahr: 2008
Maß: 50 Zoll Monitor, Mikroskop 48cm x 40cm x 20cm
Material: Mikroskop, Monitor
2* Titel: O.T.
Jahr: 1998
Maß: 120cm x 300cm
Material: Baryt S/W Fotoarbeit, Aluminium
3* Titel: Monstranz
Jahr: 2008
Maß: 168cm x 8cm
Material: Kupfer, Gruppenhostie (15 cm)
4* Titel: Product 17112008
Jahr: 2008
Maß: 100cm x 300cm
Material: Digitaler Stoffdruck
5* Performance 14.11.2008
PRODUCT LIFE ist eine Live-Installation mit bewegten lebenden Bildern.
Gezeigt wird der Zerfall eines Negatives (Motiv: Fisch), durch Bakterienfraß. Bei den Stoffwechsel-vorgängen werden als Abfallprodukt Pigmente produziert, welches live auf einem Monitor zu verfolgen ist. Mit Hilfe digitaler Bildtechnik wird der Zersetzungsprozess demonstriert und dokumentiert (s.1*).
Bei dem mit Bakterien und Pilzen besiedelten Negativ, handelt es sich um ein original Großbild- Negativ von einer s/w Fotoarbeit, die bereits in diversen internationalen Ausstellungen gezeigt wurde (s. 2*).
Durch die Zerstörung des original-Negativs, ist eine weitere Reproduktion eines Positivs nicht möglich. Der Betrachter wird zum Zeugen der unterschiedlichen Phasen des Verfalls und Zerstörung. Vergängliches birgt aber auch die Chance für etwas gänzlich Neues und Anderes.
Bei den Stoffwechselvorgängen scheiden die Mikroorganismen Pigmente aus. Mit Hilfe digitaler Bildtechnik werden die neu produzierten Bilddaten - von den Bakterienfäkalien - gespeichert und auf einer Leinwand ausgedruckt(4*).
Eine aus Kupfer gearbeitete Monstranz, trägt eine bedruckte Gruppenhostie. Die digitalisierten Bilddaten von den Bakterienfäkalien, wurden auf die Mikroorganismen frei produzierte Hostie gedruckt. Sie wird zum Motivträger der transformierten Bilddaten. (3*).
Performance 5*:
Auf der Vernissage am 14.11. wurden von einem männlichen Performer Hostien an das Publikum verteilt. Die Hostien wurden mit demselben „Motiv “wie die Gruppenhostie bedruckt. Somit wurde durch den Kunstinteressierten Besucher, das „Abbild“ wieder in den natürlichen Kreislauf zurück getragen.
Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Krumbein, Universität Oldenburg FB für Mikrobiologie, realisiert.
Zu P.O.L.ART:
„Die Konstitution des Gesamtwerkes von Sabine Kacunko verlangt nach einer Bedeutungsanalyse, die sich in diesem Fall vor allem auch aus dem offen gelegten Entstehungsprozess ihrer „Bakterienbilder“ erschließt. Die mimetisch-erkennenden, mythologisch-religiösen und historisch-ethnologischen Erfassungsweisen wirken im Prozess der Bedeutungskonstitution zusammen und bieten ein spannendes Zusammenspiel des sinnlich wahrnehmbaren Ausdrucks und den diesem zugeordneten kognitiven Vorstellungen. Die mehrteilige Installation P.O.L.ART kann insofern als eine konsequente Fortsetzung der foto- und videografischen natura morta e viva der Künstlerin erfasst werden, welche durch Entbindung aus den „bekannten“ Zusammenhängen eine spannende, sinn- und bedeutungsgebende – und permanente – Umwandlung erkennen lässt. Das „Künstliche“ tritt somit in den Dialog mit dem „Natürlichen“, wobei sich das Inhaltliche und Sinngebende, das „Lebendige“ der Kunst dem formal anscheinend „toten“ Motiv aus der Natur entgegensetzt und zugleich in ihm sein Fortleben erfährt.“
[Slavko Kacunko]